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Borreliose bei Kindern sieht anders aus. Warum Ärzte das so lange nicht sahen

Dr. Marcin Korecki: Bei Kindern zeigt sich Borreliose neurologisch-psychiatrisch, nicht klassisch. Warum das der Medizin so lange entging. Bildungsmaterial pp.tv.

Marcin Korecki

Im Unternehmen bricht ein Problem selten dort aus, wo es entstanden ist. Ein Fehler in der Produktion meldet sich in Reklamationen. Ein schlechter Prozess in der Buchhaltung kommt als Streit ums Gehalt zurück. Wenn du an der falschen Stelle hinschaust, behandelst du jahrelang das Falsche. Dr. Marcin Korecki kehrt in „Unsere Zukunft" zur Borreliose zurück, aber von einer anderen Seite als sonst. Denn bei Kindern zeigt sich diese Krankheit an einer ganz anderen Stelle als bei Erwachsenen. Und genau deshalb wurde sie jahrzehntelang nicht erkannt.

Eine Krankheit, die bei Kindern anders aussieht

Der Arzt beginnt mit einer Zahl. 2024 wurde mit Verspätung eingeräumt, dass die Borreliose-Häufigkeit in Polen um 16 Prozent gestiegen ist. Doch nicht der Anstieg selbst beunruhigt. Das Verständnis dieser Krankheit ändert sich.

Bei Erwachsenen ist das klassische Bild: Knochen- und Gelenkschmerzen, hinterlistiger Leberbefall und Erschöpfung. Man sagte, höchstens etwa 20 Prozent der Fälle gingen in die chronische Form über, die neurologische Symptome geben kann. Bei Kindern ist es umgekehrt. Gerade die neurologisch-psychiatrischen Symptome sind oft die ersten. Konzentrationsstörungen, Gehirnnebel, Anfälle, bei denen das Kind kurz etwas aus der Hand fallen lässt und sich nicht einmal daran erinnern kann. Es gibt auch Halluzinationen.

Über Jahre verband das kaum jemand. Zu der Zeit, als sich der Arzt ausbildete, stand dieser Aspekt nicht einmal in den Lehrbüchern. Ein Kind mit solchen Symptomen kam in die Neurologie oder Psychiatrie, und niemand zog Borreliose in Betracht.

Warum man das so lange nicht sah

Teils ist die Diagnostik selbst schuld. Borrelien-Erreger vermehren sich in einem Zyklus von etwa zwanzig Tagen und reagieren, wie Naturheilkundler bemerken, lebhafter auf den Vollmond. Labore beobachten das Bakterienwachstum dagegen in einem Fenster von einigen Dutzend Stunden. Der Rhythmus der Krankheit war schlicht länger als der Rhythmus der Untersuchung.

Dazu flieht Borrelia vor den Tests. Klassische Untersuchungen erkennen sie in etwa der Hälfte der Fälle. Bei einem Teil der Patienten ziehen sich die Antikörper der Frühphase über Jahre, mal höher, mal niedriger, während die Antikörper der Spätphase gar nicht erscheinen. Die auf starren Definitionen aufgebaute Medizin konnte das lange nicht erklären. Erst Metaanalysen und die Auswertung alter Protokolle, heute gestützt durch kooperative Intelligenzen, ließen diese Beobachtungen zu einem Ganzen fügen.

Was die Kinder sahen

Das ist der schwierigste Teil der Folge, und der Arzt erzählt ihn als klinische Beobachtung, nicht als Schreckmittel. Pädiater begannen, einen gemeinsamen Nenner in dem zu bemerken, was Kinder erzählen oder zeichnen konnten. Dunkle, verhüllte Gestalten. Manchmal mit roten Augen, manchmal mit einem scharfen Gegenstand in der Hand. Große Spinnen, schwarze Wölfe. Die Wiederkehr dieser Bilder bei verschiedenen, einander unbekannten Kindern schloss ein Ausdenken aus.

Dahinter steht konkrete Biologie. Die Erreger schädigen unter anderem den Hinterhauptslappen, der fürs Sehen zuständig ist, daher visuelle Halluzinationen desselben Typs. Zum Vergleich erinnert der Arzt an das Delir bei Menschen mit Alkoholmissbrauch, wo die Farbgebung weiß war. Weiße Mäuse, weiße Spinnen. Hier waren die Bilder immer dunkel, manchmal mit einem Gefühl von Kälte.

Ein eigener Mechanismus ist die Schädigung der Myelinscheiden der Nerven. Stell dir ein durchgescheuertes Glasfaser- oder Stromkabel vor, in dem es zum Kurzschluss kommt. Es entstehen verschwommene Bilder und falsche Signale, die es in Wirklichkeit nicht gibt, die aber für das Kind völlig real sind. Die Schwierigkeit ist doppelt. Dem Kind fällt es schwer, das zu beschreiben, und ein Jugendlicher schweigt oft lieber, damit man ihn nicht für jemanden auf Drogen hält.

Als man Borreliose mit etwas anderem verwechselte

Die Folgen waren mitunter schwer. Ein Teil der Patienten mit geschädigten Nerven landete unter einem anderen Etikett. Multiple Sklerose. Amyotrophe Lateralsklerose, also ALS. Der Arzt sagt es offen: So viele Jahre mussten vergehen, bis die Medizin erkannte, wie viele verschiedene klinische Bilder ein einziges Bakterium geben kann.

Das ist derselbe Fehler, den jeder Firmenchef kennt. Wenn du dem Problem den falschen Namen gibst, gehen alle weiteren Entscheidungen in die falsche Richtung.

Das Bakterium abzutöten ist nicht das Ende

Selbst ein wirksamer erster Antibiotika-Schlag beendet die Sache nicht. Wenn der Erreger stirbt, bleiben im Gewebe seine Reste. Peptidoglykane, die aus dem Zerfall der Bakterienmembranen entstehen, können die Entzündung selbst aufrechterhalten und rheumatische Symptome geben, auch im Weichgewebe.

Der Arzt korrigiert dabei ein Missverständnis. Lange glaubte man, die Erreger zerstörten das Bindegewebe absichtlich. Es stellte sich heraus, dass sie darin Silizium suchen, das sie zum Wachstum brauchen. Dabei bauen sie Kollagen ab, das Gerüst des ganzen Körpers, von der Haut bis zu den Nervenscheiden und Faszien. Zusätzlich lösen sie kleine Entzündungen der Gefäßinnenwand aus, um sich vor dem Immunsystem zu verbergen. Diese lokalen Brände können länger dauern als die Bakterien selbst.

Deshalb ist die Richtung des Vorgehens, wie der Arzt sagt, klar und dreiteilig. Zuerst die Bakterien neutralisieren. Dann vorsichtig die Reste entfernen, zyklisch, nach Protokollen wie denen von Dr. Klinghardt. Zuletzt das geschädigte Gewebe wieder aufbauen. Nicht umgekehrt und nicht auf Abkürzungen.

Ein genialer Sabotage der Energie

Der überraschendste Mechanismus betrifft die Energie. Die Erreger können das Gen PGC1-alpha stilllegen und die Zellen von der aeroben auf die anaerobe Produktion drängen. Der Unterschied ist dramatisch. Unter aeroben Bedingungen erzeugt die Zelle 36 ATP-Moleküle aus einer Einheit, unter anaeroben nur zwei. Der Arzt erinnert hier an Otto Warburg, den Nobelpreisträger von 1931. Das Bakterium schwächt bewusst die Lebenskraft des Wirts, denn in einem schwächeren, übersäuerten Milieu überlebt es leichter. Die Wissenschaft lernt gerade erst, das zu lösen.

Das ist keine Apokalypse

Der Arzt hält den Ton bis zum Schluss. Das Verständnis der Ansteckungswege hat sich geändert. Neben der Zecke spricht man heute von anderen Insekten, vom Übertragungsweg über Sexualkontakt und vor allem von Ko-Infektionen: Bartonella, Babesia, Rickettsien, Yersinien. Aber, so betont er, das soll kein Erschrecken sein. Es ist eine Einladung zur eigenen Recherche und zu einem kritischeren Blick auf die Medizin. Immer öfter sprechen wir nicht von einer einzelnen Diagnose, sondern von Prozessen und Gesundheitstrajektorien.

Fang dort an, wo du wirklich stehst

Das gemeinsame Fazit ist ruhig. Der Körper schreit selten dort, wo es wirklich weh tut. Deshalb lohnt sich ein Bezugspunkt. Der Vitalitäts-Scan zeigt den allgemeinen Stand deiner Vitalität und Regulation. Er diagnostiziert keine Borreliose und keine Krankheit, dafür sind Arzt und Untersuchungen da. Er gibt eine Landkarte, von der aus man ein Gespräch über sich selbst beginnen kann.

Die ganze Folge „Zerstört Borreliose das Gehirn von Kindern?" findest du auf dem Kanal pp.tv, in der Reihe „Unsere Zukunft". Das Programm führt Dr. Marcin Korecki.

**Bildungsmaterial.** Dieser Beitrag gibt den Inhalt der Folge wieder. Er ist keine medizinische Beratung, stellt keine Diagnose und ersetzt kein Arztgespräch. Neurologische Symptome, Konzentrationsstörungen, Anfälle oder Halluzinationen bei einem Kind erfordern immer eine dringende Abklärung durch Arzt, Kinderneurologen oder Kinderpsychiater. Dieser Text ist keine Liste zur Selbstdiagnose. Der Vitalitäts-Scan erkennt keine Borreliose und ist kein diagnostischer Test.

Nasza Przyszłość

Ten temat rozwinęliśmy na bazie rozmowy w programie Nasza Przyszłość — prowadzonym przez Marcina Koreckiego na pp.tv, który odpowiada za całą produkcję i logistykę nagrań. Odcinek: Borelioza niszczy mózg dzieci?".

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